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Macht mehr Fehler!

Junge Tüftler Co-Gründerin Julia war auf der Bosch Connected World Konferenz. Warum? Das erzählt sie hier. Außerdem: wie alles anfing und warum wir endlich wieder Fehler machen sollten!

Junge Tüftler Co-Gründerin Julia bei der Bosch Connected World Konferenz. Foto via Twitter

Was macht man als Sozial-Unternehmen auf der Bosch Connected World - der größten IoT-Konferenz eines Industrieunternehmens? Man stellt sich der Frage, wie Technologie nicht nur im Unternehmenskontext eingesetzt werden kann, um Profite zu erzeugen, sondern welche Wirkkraft Technologie gesellschaftlich entfalten kann, um dringende Probleme wie den Zugang zu Bildung anzugehen.

In seinem inspirierenden Intro-Talk hat Matthias Scheffelmeier von Ashoka dargelegt, dass es oft Sozialunternehmen sind, die gesellschaftliche Probleme erkennen und Lösungen entwickelten, woraus sich neue Zukunftsmärkte entwickeln: So gilt Greenwheels aus den 80ern als der Wegbereiter für das heutige Carsharing und AirBnB wäre ohne Couchsurfing nicht denkbar.

Diese Märkte haben das Potenzial von Technologien ausgeschöpft, um Antworten auf soziale Fragestellungen zu finden. Genau dieses Potenzial, das in Technologien steckt, um unsere Gesellschaft zu verändern, war für Franzi und mich der Antrieb Junge Tüftler zu entwickeln.

April 2016: Erste Tüftelversuche beim Makeathon in Berlin. Foto: Kilian Kottmeier

Der Anfang

Als ich 2015 in Berlin bei der Entstehung der ersten Makerspaces (wie des mobilen Makerlabs auf der DMY oder der OpenDesignCity) involviert war, spürte ich, welche Energie diese Orte ausstrahlen. Ich war fasziniert davon zu sehen, wie Kinder und Jugendliche völlig frei und hemmungslos spielten und mit leitfähigen Materialien und Webmaschinen experimentieren, wodurch wir neue leitfähige Stoffe und Funktionskleider entwickelten, genauso wie nonsense-Maschinen. Ich war begeistert von dem innovativen Spirit dieser jungen Menschen und gleichzeitig stimmte es mich sehr nachdenklich: Wann genau ist der Zeitpunkt im Leben, an dem wir diese wunderbare Gabe des unbesorgten Experimentierens und Spielens verlieren - und wie können wir sie wiedererlangen?

Genau aus dieser Motivation heraus habe ich gemeinsam mit meiner Geschäftspartnerin Franziska Schmid und einem wundervollen Team zwei Firmen gegründet, die dieselbe Vision verfolgen: Eine Welt, in der alle Menschen digitale Werkzeuge nutzen können, um die Gesellschaft selbstbestimmt, kreativ und verantwortungsbewusst zu gestalten.

Einfach Tüfteln

Dabei gestalten wir bei Junge Tüftler Workshopformate, die zum zielfreien Herumexperimentieren und Spielen einladen und damit wesentliche Kompetenzen fördern, wie etwa Kreativität, das Beherrschen digitaler Technologien sowie das projektbasierte und ergebnisorientierte Arbeiten und das Übernehmen von Verantwortung. Besonders faszinierend ist zu sehen, wie einfach Kinder lernen, wenn sie keine Angst haben, Fehler zu machen und einfach lostüfteln können. Es sind genau diese Kompetenzen, die die OECD als future skills bezeichnet, da sie essentiell sein werden, um in unserer Gesellschaft aktiv mitgestalten zu können - und leider noch viel zu wenig Raum auf den Stundenplänen der meisten Kinder einnehmen.

Projektergebnisse aus einem 4-stündigen Workshop mit Kindern: das Einzige, was wir ihnen zur Verfügung gestellt haben, waren alte Milchkartons, ein paar Sensoren und Mikrocontroller, etwas Bastelzeug sowie den Raum und die Erlaubnis einfach drauf loszubauen; das Ergebnis ist eine wunderbare kollaborative Performance-Sound-Installation.

Die Sinnfrage

Doch was passiert, wenn man diese Workshopformate um die “Sinnfrage” erweitert?

Im Rahmen eines 3-tägigen Feriencamps haben wir uns gemeinsam mit Jugendlichen der Herausforderung gestellt, an Lösungen für eine lebenswerte Umgebung zu arbeiten. Die Ergebnisse haben uns gezeigt, dass die Jugendlichen innerhalb der 3 Tage nicht nur fähig waren, ein Problem zu durchdringen und eigene Antworten darauf zu entwickeln. Sie haben sich zudem Kenntnisse über 3D-Programmierung und Maschinen wie Lasercutter und 3D-Drucker angeeignet - ebenso wie Wissen über Sensoren, Schaltkreise sowie Mikrocontroller und deren Programmierung, um Lösungen für ihr Probleme zu entwickeln. Das Einzige, was wir ihnen hierfür zur Verfügung gestellt haben, war der Zugang zu den Maschinen und Materialien, sowie erfahrene Mentor*innen, die die Teilnehmenden motivierten über Frustrationsmomente hinwegzukommen und durch gezielte Fragen die Ergebnisentwicklung lenkten. Das Wichtigste aber, was die Teilnehmenden in diesen drei Tagen lernten war: egal wie groß und komplex ein Problem auch sein mag: Gemeinsam können wir eine Lösung gestalten, die den Unterschied macht.

Zwei Mädchen basteln an einem Prototypen.
Als Antwort auf die Frage, wie wir in Großstädten mehr Pflanzen bekommen und wer sie pflegt, haben diese beiden Teilnehmerinnen einen funktionsfähigen Roboter für Vertical Gardening Anlagen erfunden.

Tue Gutes und verbreite es

Da es uns ein Anliegen ist, vielen Menschen einen Zugang zu Wissen zu ermöglichen und die Kraft der eigenen Selbstwirksamkeit zu erfahren, haben wir mit unserer zweiten Firma, der TüftelAkademie eine Plattform geschaffen, um die Best-Practice-Erfahrungen aus den Workshops zu verbreiten. Hierfür nutzen wir die Technologie, um anhand von Video-Tutorials und Blended-Learning-Ansätzen das Wissen und die Möglichkeiten des erfahrungsbasierten Lernens mit Hilfe unserer TüftelBoxen auch bis an die weit entferntesten Küchentische zu tragen.

Es kann dann aber passieren, dass Mensch sich dann doch nicht so recht traut einfach drauf loszutüfteln - und das ist mehr als verständlich: schließlich wurden wir die letzten Jahre nur darauf getrimmt, gut zu sein und das heißt eben genau keine Fehler zu machen. Fehler wertzuschätzen und als positive Lernerfahrung zu sehen, will erst wieder erlernt werden.

Der bloße Zugang zu Wissen allein ist da nicht immer ausreichend. Aus diesem Grund haben wir neben der Online-Lernumgebung auch eine analoge Variante, in der man in Präsenzveranstaltungen lernt. Denn manchmal braucht es auch eine sichere Umgebung, in der Mensch wieder erlernt, durch das Experimentieren zu lernen.

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