Berlin, 9. Oktober 2026 – Unser TüftelLab in der Prinzenstraße 85C am Moritzplatz war an diesem Freitagmorgen mehr als ein Lernort: In einer Roundtable Diskussion tauschten sich Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Schule und Bildungsverwaltung zu einer der drängendsten Fragen der deutschen Bildungslandschaft aus: Wie können junge Menschen, insbesondere aus sozioökonomisch benachteiligten Verhältnissen, besser auf die Arbeitswelt von morgen vorbereitet werden?
Anlass war ein Besuch von Tim Berry, Global Head of Corporate Responsibility bei JPMorganChase, gemeinsam mit Alexander Mayer, Senior Country Officer Deutschland und Österreich bei JPMorganChase, im Rahmen unserer langjährigen Partnerschaft.
Fotorechte: JPMorganChase / David Gauffin
Praktische Berufsorientierung an Berliner Schulen
Seit 2022 unterstützt JPMorganChase unsere Arbeit und hat damit bislang rund 1.300 Schülerinnen und Schüler bei ihrer Berufsorientierung gefördert. Am 9. Oktober 2026 wurde die Zusammenarbeit auf eine neue Stufe gehoben: JPMorganChase kündigte eine Förderung von 2,5 Millionen Euro für Bildungsinitiativen in Deutschland an – darunter eine substanzielle Unterstützung für unser Programm TüftelLab Schule.
Im Rahmen dieser Förderung werden in den nächsten drei Jahren 2.400 Schülerinnen und Schüler an 18 Berliner weiterführenden Schulen erreicht. Das Programm ist darauf ausgelegt, Berufsorientierung systematisch und praxisorientiert in den Schulalltag zu integrieren: In modularen Lernformaten arbeiten Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren an digitalen und technischen Fragestellungen, lernen Unternehmen kennen und entwickeln Kompetenzen wie kritisches Denken, Problemlösung und Teamarbeit. Damit das Programm kein Inselprojekt bleibt und nachhaltig bei Schulen, Lehrkräften und Lernenden ankommt, werden insgesamt 180 Lehrkräfte fortgebildet und Schulen mit digitalen Ressourcen und Vorlagen ausgestattet. In enger Zusammenarbeit mit der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, die das Programm bereits an vier Pilotschulen fördert, verfolgen wir das Ziel, das Modell als Good-Practice-Beispiel in Berlins Schullandschaft zu verankern, in die Lehrkräfteausbildung zu integrieren und über Bundesprogramme wie das Startchancen-Programm (2024–2034) weiter zu skalieren.
Wie kann Berufsorientierung zukunftsorientiert aufgestellt werden?
Nach einer Willkommensrunde mit Vorstellung des TüftelLabs und einer Live-Demonstration der Werkzeuge, wie dem Lasercutter, kamen Schlüsselakteure aus Bildung, Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft zusammen. Die moderierte Diskussion wurde von Hanka Boldemann eröffnet und geleitet.
Teilnehmende:
- Sabrina Konzok, Geschäftsführerin von Junge Tüftler gGmbH
- Alexander Mayer, Senior Country Officer Deutschland & Österreich, JPMorganChase
- Tim Berry, Global Head of Corporate Responsibility, JPMorganChase
- Yeliz Ritschewald-Sacher, Fachgruppenleitung Berufliche Orientierung am Berliner Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung an Schulen (BLiQ), Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie
- Heike Yürgüc, Bereichsleitung Berufsorientierung & Schulkooperationen, Industrie- und Handelskammer Berlin
- Jakob Noth, Lehrer an der Georg-von-Giesche-Schule (ISS), Partnerschule von Junge Tüftler
- David Grünbaum, Manager Data Analytics & AI, Salesforce
- Yvonne Kohlmann, Geschäftsführerin des Netzwerks SchuleWirtschaft, (Bundesverband der Deutschen Arbeitgeberverbände und der Bundesagentur für Arbeit)
Die Diskussion war in vier Blöcke gegliedert und beleuchtete das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven:
Die Herausforderung: Fachkräftemangel trifft auf mangelnde Berufsorientierung
Deutschland steht vor einem strukturellen Dilemma: Mehr als 163.000 MINT-Stellen sind unbesetzt, während gleichzeitig viele Jugendliche ohne klare Anschlussperspektive die Schule verlassen. Heike Yürgüc von der IHK Berlin schilderte, wie Mitgliedsunternehmen zunehmend über unbesetzte Ausbildungsplätze klagen, nicht aus mangelndem Interesse junger Menschen, sondern weil die Passung zwischen Berufswelt und Schulrealität fehlt. Die digitale Transformation verschärfe diesen Graben zusätzlich. Yvonne Kohlmann vom Netzwerk SchuleWirtschaft bestätigte: Berlins Herausforderungen seien kein Einzelfall, sondern Teil eines bundesweiten Musters.
Was junge Menschen wirklich brauchen
Einigkeit herrschte in der Runde darüber, dass persönliche Begegnung und praktische Erfahrung sehr wirksame Formate sind, die Lehrkräfte und Lernende gleichermaßen dabei unterstützen, die digitale Transformation von Schulen mitzugestalten und Kompetenzen nachhaltig zu fördern. Lehrer Jakob Noth von der Georg-von-Giesche-Schule betonte, wie sehr Schülerinnen und Schüler auf handlungsorientierte Ansätze ansprechen und warum das Programm TüftelLab Schule für viele Jugendliche ein echter Türöffner in die Welt digitaler und technischer Berufe sei. David Grünbaum von Salesforce schilderte, wie sein Unternehmen versucht, Berufe in Datenanalyse und KI für Jugendliche greifbar zu machen und wie wichtig persönliche Vorbilder dabei sind, gerade für junge Menschen, die niemanden aus diesen Feldern kennen. Sabrina Konzok erläuterte, wie TüftelLab Schule genau auf diesen Bedarf antwortet: Schülerinnen und Schüler, die das Programm durchlaufen, zeigen nicht nur mehr Interesse an MINT-Berufen, sondern auch eine stärkere Bereitschaft, sich kritisch mit Technik auseinanderzusetzen und neue Technologien als Chance zu begreifen. Durch die praktische Arbeit an Challenges, die direkt aus den teilnehmenden Unternehmen stammen und reale Herausforderungen aus dem Berufsalltag teilen, entwickeln Schülerinnen und Schüler relevante Zukunftskompetenzen.
Umsetzung: Wie Schulen konkret unterstützt werden
Ein zentrales Thema war die Frage, wie externe Programme in den Schulalltag integriert werden können, ohne Lehrkräfte zu überlasten. Sabrina Konzok beschrieb, wie wir als Unternehmen bewusst auf Kapazitätsaufbau setzt: Lehrkräfte werden fortgebildet, erhalten fertig einsetzbare Unterrichtsmaterialien und können über unsere digitale Plattform TüftelLab digital auf Ressourcen zugreifen, die Lehrkräfte und Lernende weiterbildet. Alexander Mayer teilte Erfahrungen aus dem eigenen Unternehmen: JPMorganChase ermöglicht Schülerinnen und Schülern Praktika und Berufsorientierungstage – etwa im Frankfurter Büro – und hat dabei erlebt, wie sehr diese Begegnungen sowohl für die Jugendlichen als auch für die Unternehmenskultur bereichernd sind. Heike Yürgüc ergänzte, wie die IHK Berlin insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen helfen kann, sich niedrigschwellig in die Berufsorientierung einzubringen.
Skalierung: Vom Pilotprojekt zum Systemwandel
Im abschließenden Block stand die entscheidende Frage im Mittelpunkt: Wie wird aus einem guten Programm systemischer Wandel und nicht einfach ein weiteres Leuchtturm Projekt? Yeliz Ritschewald-Sacher vom BLiQ skizzierte, welche Voraussetzungen aus Sicht der Senatsverwaltung für eine breitere Verankerung im Berliner Schulsystem notwendig sind, von Wirkung über Skalierung bis hin zur Integration in die Lehrkräfteausbildung. Yvonne Kohlmann stellte das Berufswahlsiegel vor, das Qualitätskriterien für Kooperationen zwischen Schule und Wirtschaft definiert. Alexander Mayer blickte voraus: Mit dem neuen Berliner Büro und dem Start von Chase in Deutschland sieht JPMorganChase eine wachsende Verantwortung vor Ort und konkrete Möglichkeiten, diese zu leben: durch Berufsorientierungstage, Pro-bono-Unterstützung in UX und Design Thinking sowie die Ausstattungsförderung von Schulen durch Chase.
Zukunftskompetenzen in Aktion: Schülerinnen und Schüler beim Tüfteln
Nach dem Roundtable erlebten die Gäste hautnah, worum es geht: Im anschließenden Workshop begleiteten Tim Berry, Alexander Mayer und die übrigen Teilnehmenden eine Schulklasse beim praktischen Arbeiten im TüftelLab. Die Jugendlichen zeigten, wie sie mit Delightex, einem 3D- und VR -Programm, an kreativen Problemlösungsansätzen und realen Aufgabenstellungen arbeiten. Was die Gäste beobachteten, war mehr als technisches Können: Teamarbeit, Ausdauer, Neugier und die Fähigkeit, mit Fehlern umzugehen, Kompetenzen, die in der Arbeitswelt von morgen unverzichtbar sind und die im TüftelLab ganz selbstverständlich gelebt werden.
Junge Tüftler dankt herzlich allen, die diesen besonderen Morgen möglich gemacht haben:
JPMorganChase – insbesondere Tim Berry und Alexander Mayer – für das Vertrauen in unsere Arbeit, die langjährige Partnerschaft und das starke Bekenntnis zur Zukunft junger Menschen in Berlin. Ein besonderer Dank gilt auch Hanka Boldemann für die starke Moderation des Roundtables.
Unser Dank gilt ebenso allen Roundtable-Teilnehmenden: Yeliz Ritschewald-Sacher (BLiQ/Senatsverwaltung), Heike Yürgüc (IHK Berlin), Yvonne Kohlmann (SchuleWirtschaft), David Grünbaum (Salesforce) und Jakob Noth (Georg-von-Giesche-Schule) – für ihre Zeit, ihre Offenheit und die wertvollen Impulse, die unsere gemeinsame Arbeit voranbringen.
Und natürlich: Danke an die Schülerinnen und Schüler, die an diesem Morgen gezeigt haben, warum wir tun, was wir tun.
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