Junge Tüftler Junge Tüftler Zukunftsfähige Bildung braucht Lebensweltbezug: Robert Abts im Interview

Zukunftsfähige Bildung braucht Lebensweltbezug: Robert Abts im Interview

Maker Education, KI und Zukunftsbildung: Zum Jubiläum spricht Geschäftsführer der impuls.RheinKreisNeuss Wirtschaftsförderung, Robert Abts, über Bildung, Innovation und das TüftelLab als Lernort der Zukunft.

Vor zehn Jahren begann Junge Tüftler mit der Idee, die Welt von Kindern und Jugendlichen mit einfachen Werkzeugen, positiven Lernsettings und unerschütterlicher Überzeugung zu verändern. In “Zukunft bilden: 10 Jahre, 10 Stimmen” erzählen zehn wegbereitende Perspektiven aus unserem Team, Schulen und digitaler Bildung, was es bedeutet, wenn Neugier auf Ermutigung trifft und junge Menschen darin bestärkt werden, die Welt nicht nur zu verstehen, sondern sie proaktiv und selbstwirksam zu gestalten.

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Die Förderung von Digitalisierung und zukunftsfähiger Bildung ist ein wichtiger Baustein ihres Engagements: Gibt es einen konkreten Moment, der Ihnen gezeigt hat, warum Maker Education und Making einen echten Unterschied machen?

Ja – besonders eindrücklich sind für mich die Momente, in denen junge Menschen zunächst mit einer scheinbar schwierigen Aufgabe starten und am Ende selbstbewusst sagen: „Das habe ich selbst gebaut.“ Genau dieser Perspektivwechsel ist für mich der Kern von Maker Education. Im TüftelLab Rhein-Kreis Neuss erleben wir, wie Schülerinnen und Schüler nicht nur digitale Werkzeuge kennenlernen, sondern eigene Ideen entwickeln, ausprobieren, Fehler machen und daraus lernen. Aus einem abstrakten Thema wird plötzlich etwas Greifbares und Eigenes. Dabei geht es nicht darum, dass am Ende jedes Projekt perfekt funktioniert. Viel wichtiger ist der Weg dorthin: Fragen stellen, Lösungen suchen, gemeinsam tüfteln und nicht beim ersten Rückschlag aufgeben. Genau diese Haltung brauchen wir auch in unserer Wirtschaft. Als impuls.RheinKreisNeuss Wirtschaftsförderung möchten wir deshalb nicht nur Unternehmen bei ihrer digitalen Transformation unterstützen, sondern auch dazu beitragen, dass junge Menschen die Fähigkeiten entwickeln, diese Transformation künftig selbst mitzugestalten.

KI, Robotik und Herausforderungen in der Wirtschaft: Welche Kompetenzen brauchen junge Menschen aus Ihrer Sicht wirklich, um die Arbeitswelt von morgen mitzugestalten und warum?

Natürlich brauchen junge Menschen digitale Kompetenzen – aber aus meiner Sicht reicht es nicht, zu wissen, wie eine bestimmte Software oder ein KI-Tool funktioniert. Entscheidend sind Fähigkeiten, die auch dann Bestand haben, wenn sich Technologien verändern: kritisches Denken, Kreativität, Problemlösung, Kommunikationsfähigkeit und die Bereitschaft, Neues auszuprobieren. Gerade KI und Robotik werden viele Arbeitsprozesse verändern. Umso wichtiger ist es, dass junge Menschen Technologien nicht nur konsumieren, sondern verstehen, hinterfragen und sinnvoll einsetzen können. Sie müssen beispielsweise einschätzen können: Wo hilft mir KI wirklich? Welche Ergebnisse kann ich vertrauen? Und wo muss ich selbst weiterdenken? Maker Education verbindet diese Kompetenzen auf besondere Weise. Beim praktischen Tüfteln gibt es selten nur einen richtigen Lösungsweg. Man muss experimentieren, Rückschläge aushalten und gemeinsam Lösungen entwickeln. Genau diese Kombination aus digitalen Fähigkeiten, Eigeninitiative und Teamarbeit wird in einer sich schnell verändernden Arbeitswelt immer wichtiger.

Maker Education bringt jungen Menschen bei, wie man Probleme anpackt, die noch keine Lösung haben und vermittelt ihnen essenzielle digitale Kompetenzen. Ist das nicht genau das, was Innovation in Unternehmen ausmacht?

Absolut. Innovation beginnt häufig genau dort, wo es noch keine fertige Lösung gibt. Unternehmen müssen neue Produkte entwickeln, Prozesse verändern, Technologien ausprobieren und dabei immer wieder mit Unsicherheiten umgehen. Dafür braucht es Menschen, die nicht sofort sagen: „Das geht nicht“, sondern fragen: „Wie könnte es
funktionieren?“ Genau diese Haltung fördert Maker Education. Junge Menschen lernen, eigene Ideen in die Praxis zu bringen, Prototypen zu entwickeln, Fehler als Teil des Lernprozesses zu verstehen und Lösungen Schritt für Schritt zu verbessern. Dabei entstehen neben technischen Fähigkeiten vor allem Selbstwirksamkeit und Mut zum Ausprobieren. Für eine Region wie den Rhein-Kreis Neuss ist das ein wichtiger Standortfaktor. Unsere Unternehmen stehen mitten in großen Transformationsprozessen – von Digitalisierung und KI bis hin zur klimaneutralen Wirtschaft. Dafür benötigen wir Fachkräfte, die nicht nur bestehendes Wissen anwenden, sondern Veränderung aktiv gestalten können. Deshalb ist die Verbindung von Bildung, Wirtschaft und praxisorientiertem Making für uns so wertvoll.

Wo sehen Sie die größten ungenutzten Potenziale, die zukunftsfähige Bildung noch ausschöpfen kann?

Ein großes Potenzial sehe ich darin, Bildung noch stärker mit der Lebens- und Arbeitswelt junger Menschen zu verbinden. Schülerinnen und Schüler sollten möglichst früh erleben können, wofür sie Wissen eigentlich brauchen und welche Möglichkeiten ihnen moderne Technologien eröffnen. Das gelingt besonders gut, wenn Schulen, außerschulische Lernorte, Unternehmen und weitere Partner enger zusammenarbeiten. Ein weiteres Potenzial liegt darin, digitale Bildung nicht als einzelnes Schulfach oder als zusätzliche Aufgabe zu verstehen. Digitale Kompetenzen sollten selbstverständlich in unterschiedliche Lernbereiche integriert werden – verbunden mit Kreativität, Teamarbeit und
konkreten Projekten. Und wir sollten noch stärker darauf schauen, dass alle jungen Menschen Zugang zu solchen Angeboten bekommen. Herkunft, Wohnort oder die technische Ausstattung des Elternhauses dürfen nicht darüber entscheiden, wer Zukunftstechnologien kennenlernen und eigene Ideen umsetzen kann. Das TüftelLab Rhein-Kreis Neuss und die Anerkennung als zdi-Schülerlabor sind dafür ein gutes Beispiel: Hier können junge Menschen niedrigschwellig ausprobieren, was in ihnen steckt – und vielleicht entdecken sie dabei sogar ein zukünftiges Berufsfeld.

Wie sieht eine zukunftsfähige Bildungslandschaft im Jahr 2036 aus? Was braucht es dafür?

Ich wünsche mir im Jahr 2036 eine Bildungslandschaft, die noch stärker mit der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung unserer Region verbunden ist. Der Rhein-Kreis Neuss ist ein innovations- und produktionsstarker Wirtschaftsstandort, der mitten in großen Veränderungsprozessen steht. Dafür brauchen wir junge Menschen, die neugierig sind, digitale Technologien verstehen und den Mut haben, neue Lösungen zu entwickeln. Schule darf dabei nicht isoliert betrachtet werden. Ich stelle mir ein enges Netzwerk aus Schulen, Unternehmen, Hochschulen, außerschulischen Lernorten und der impuls.RheinKreisNeuss Wirtschaftsförderung vor. Das TüftelLab Rhein-Kreis Neuss und das zdi-Netzwerk Rhein-Kreis Neuss zeigen bereits heute, wie eine solche Verbindung funktionieren kann: Junge Menschen können Zukunftstechnologien praktisch ausprobieren und gleichzeitig Einblicke in MINT-Berufe und regionale Unternehmen bekommen. Bis 2036 sollten solche Möglichkeiten für alle jungen Menschen im Kreis selbstverständlich sein, unabhängig davon, welche Schule sie besuchen oder wo sie wohnen. Dafür brauchen wir verlässliche Partnerschaften, moderne Lernorte, engagierte Bildungsakteurinnen und Bildungsakteure und vor allem eine gemeinsame Haltung: Bildung muss als Investition in die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts verstanden werden. Schließlich wachsen die Fachkräfte, Gründerinnen und Gründer sowie die innovativen Köpfe von 2036 heute bei uns im Rhein-Kreis Neuss auf.