Vor zehn Jahren begann Junge Tüftler mit der Idee, die Welt von Kindern und Jugendlichen mit einfachen Werkzeugen, positiven Lernsettings und unerschütterlicher Überzeugung zu verändern. In “Zukunft bilden: 10 Jahre, 10 Stimmen” erzählen zehn wegbereitende Perspektiven aus unserem Team, Schulen und digitaler Bildung, was es bedeutet, wenn Neugier auf Ermutigung trifft und junge Menschen darin bestärkt werden, die Welt nicht nur zu verstehen, sondern sie proaktiv und selbstwirksam zu gestalten.
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Technik im Dienste des Menschen: dieser Leitsatz begleitet die Gisela und Erwin Sick Stiftung seit ihrer Gründung. Geprägt durch Dr. Erwin Sick steht die Stiftung dafür, dass Technologie nicht Selbstzweck ist, sondern dann ihre größte Wirkung entfaltet, wenn sie von neugierigen, kreativen und verantwortungsbewussten Menschen gestaltet wird. Diesen Gedanken treibt Eva Franke-Maurus, Vorständin der Stiftung, mit ihrem Team mutig voran.
Zum 10-jährigen Jubiläum haben wir sie gefragt: Was brauchen junge Menschen wirklich, um die Zukunft aktiv mitzugestalten? Und welches Potenzial steckt in Maker Education für Schulen, für Jugendliche und für eine Bildungslandschaft, die fit für die Zukunft ist?
Seit der Entstehung der Gisela und Erwin Sick Stiftung war “Technik im Dienste des Menschen” einer der Leitgedanken Ihres Wirkens. Gibt es einen Moment, der Ihnen gezeigt hat: „Genau hier muss etwas passieren”?
Der Leitsatz „Technik im Dienste des Menschen“ begleitet uns natürlich seit Anbeginn der Gründung, denn er ist geprägt durch Dr. Erwin Sick, den Ehemann unserer Stifterin Gisela Sick und Firmengründer der SICK AG. Dabei war ihm immer wichtig, dass aus dem Wirken des Menschen und für den Menschen Gutes entsteht. Die Herausforderungen der letzten Jahre – Digitalisierung, Klimawandel und der Wandel der Arbeitswelt – verlangen nach Menschen, die technisches Verständnis, Kreativität sowie Verantwortungsbewusstsein verbinden. Dabei erleben wir aber, dass viele Kinder und Jugendliche kaum Gelegenheit haben, Technik selbst auszuprobieren und ihre eigenen Fähigkeiten zu entdecken. Genau hier möchten wir ansetzen. Wenn junge Menschen selbst tüfteln, experimentieren und Lösungen entwickeln dürfen, entsteht Begeisterung. Und
Technik wird dann zum Dienst des Menschen, wenn sie von Menschen gestaltet wird, die neugierig, verantwortungsbewusst und mutig sind.
Welches Potenzial für eine wirklich zukunftsfähige Bildung junger Menschen sehen Sie in Making und Maker Education?
Maker Education vermittelt weit mehr als technisches Wissen. Sie fördert eine innere Einstellung, die junge Menschen befähigt, Herausforderungen aktiv anzugehen. Beim Entwickeln, Bauen und Ausprobieren lernen sie, Probleme zu analysieren, kreative Lösungen zu finden und auch Rückschläge zu akzeptieren – aber nicht aufzugeben. In einer sich schnell verändernden Welt sind diese Kompetenzen wichtiger denn je. Und sie arbeiten im besten Fall auch in Teams und bauen dabei die so wichtigen Teamfähigkeiten aus – eine menschliche Eigenschaft, die KI nie ersetzen wird können. Zukunftsfähige Bildung muss deshalb Räume schaffen, in denen Neugier, Eigeninitiative und gemeinsames Lernen selbstverständlich sind.
Welche essentiellen Kompetenzen brauchen junge Menschen heute, um die Zukunft proaktiv zu gestalten und sie nicht nur passiv zu erleben?
Vermutlich brauchen Jugendliche vor allem die Fähigkeit, neugierig zu bleiben, auch unangenehme Fragen zu stellen und Veränderungen vielleicht eher als Chancen zu betrachten denn als Hindernis. Kritisches Denken, Kreativität und Teamfähigkeit gehören sicher zu den wichtigsten Kompetenzen, welche junge Menschen für die Zukunft benötigen. Wer den Mut entwickelt, Fragen zu stellen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, wird die Zukunft aktiv mitgestalten können. Diese Haltung möchten wir als Gisela und Erwin Sick Stiftung auch unterstützen, indem wir die Förderung dieser Kompetenzen in den Projekten unserer Förderpartner wiederfinden. So wie im TüftelLAB – die Kinder werden hier zum Forschen, Ausprobieren und Erfinden animiert. Was könnte mehr den Innovationsgeist der Zukunft unterstützen?
Was braucht es, damit digitale Bildung und Zukunftskompetenzen flächendeckend in Schulen und außerschulischen Lernorten ankommen?
Das ist keine leichte Frage. Digitale Bildung ist nicht mit der Anschaffung neuer Geräte getan, sondern mit einer zeitgemäßen Lernkultur. Schulen brauchen Freiräume, in denen Kinder und Jugendliche selbstständig entdecken und experimentieren dürfen. Gleichzeitig benötigen Lehrkräfte aber vor allem auch verlässliche Unterstützung, Fortbildungsangebote und die
Möglichkeit, neue Methoden ohne Druck auszuprobieren. In der Praxis erleben wir das in Gesprächen mit unseren Förderpartnern immer wieder: entscheidend ist hier auch das Engagement jedes Einzelnen, die Motivation Kinder und Jugendliche in ihrem Entwickeln unterstützen zu wollen. Das klappt natürlich besonders dort sehr gut, wo Theorie und Praxis
zusammen kommen und diese ansteckende Motivation durch Lehrkräfte und andere Menschen weitergegeben wird.
Wie sieht eine zukunftsfähige Bildungslandschaft im Jahr 2036 aus? Was braucht es dafür?
2036 wäre eine Bildungslandschaft wünschenswert, die Kinder und Jugendliche konsequent in den Mittelpunkt stellt und ihr individuellen Talente fördert. Ein projektorientierteres und interdisziplinäres Lernen sollte dabei ebenfalls im Fokus stehen. Auch wenn digitale Technologien und KI selbstverständlich zum Unterricht gehören – als Werkzeug, nicht als Selbstzweck – bleiben weiterhin Werte wie Verantwortung, Empathie und kritisches Denken unverzichtbar. Eine Bildungslandschaft in der Schulen, außerschulische Lernorte, Wissenschaft und Wirtschaft eng zusammenarbeiten, wäre hier eine wunderbare Vorstellung. Als Gisela und Erwin Sick Stiftung möchten wir dazu beitragen, dass junge Menschen nicht nur auf die Zukunft vorbereitet werden, sondern mit Neugier, Kompetenz und Verantwortungsbewusstsein aktiv mitgestalten.